Haus Burgund Mainz

 
 

AUSSTELLUNGEN




Thomas Journot
In der „Rue Saute Chien“…



Der in Burgund-Franche-Comté lebende Fotograf Thomas Journot beschreibt zwischenmenschliche Beziehungen und zeigt auf einfühlsame Weise außergewöhnliche Orte und Situationen. Seine Bilder muss man aufmerksam betrachten, denn Thomas Journot spielt mit dem Licht und dem Umfeld, um uns beim Betrachten dessen zu helfen, was man nicht sieht, was man nicht mehr sieht. In seiner Fotoreportage In der „Rue Saute Chien“… stellt er den Enten- und Schafzüchter Pascal Laprée mit seinem Betrieb vor.





Will man über die Erzeugnisse von Pascal Laprée sprechen, muss man über seinen Bauernhof sprechen oder über den zwischen Auxois und Morvan gelegenen Weiler Mairey (Departement Côte-d’Or) mit der Aussicht über ein offenes Tal und die mittelalterliche Burg Mont-Saint-Jean, die auf einer Anhöhe sitzt. Man muss über das unglaublich zarte Gras sprechen, das am Ende des Frühlings wächst. Von dieser so einfachen Natur. Und schließlich auch über die Wärme der Schafe im Stall und über die Enten, die den Kopf unter den Flügel gesteckt haben und schlafend im Gras liegen.

Vor allem muss man über das Arbeitsteam sprechen, niemals vollzählig, niemals dasselbe, eine Truppe im ständigen Wechsel. Mit den Stützen, die immer da sind, aber auch mit denen, die ab und zu vorbeikommen, die helfen oder lernen. Meist sind es Freunde. Es sind Landwirte, ein Vermessungsingenieur, ein ehemaliger Bibliothekar, eine angehende Landwirtin oder auch ein Briefträger… Man muss ihnen zuhören, wenn sie Enten zerlegen, wenn sie über das Mittagessen reden, das unten in der Küche vor sich hin köchelt, über die Liebe zu den guten Dingen, über Politik oder über das, was im Dorf los ist, denn Nachbarschaftshilfe versteht sich von selbst, über Freundschaft und Kunst.

Man müsste einen Kaffee zusammen trinken, in der Pause, bei Sonnenaufgang, im Frühling, ein Stück Kuchen naschen, den Pascal dieses Wochenende vom Markt mitgebracht hat. Pascals Schnurrbart beschreiben, seine riesigen Lachfältchen, und ihn, während er seinen Trüffelhund streichelt, sagen hören, dass man sein Produkt lieben muss, um es gut zu machen. Das ist ausschlaggebend, für den Produzenten, für den Verbraucher - und natürlich für die Tiere.

Schließlich müsste man die Kälte im « Labor » beschreiben, die an den zwei Paar Strümpfen nagt, die Daumen, wund geworden durch das Greifen in den Gartopf, oder das Geräusch dieser Töpfe, die von Hand zu Hand über Edelstahl geschoben werden. Dann gibt es noch die Hygienehäubchen, die rutschenden Gummistiefel beim Reinigen des « Labors », das Geräusch des Geschirrspülers, den Dampf während des Rupfens oder den Duft der Entenkeulen beim Garen. Doch da Worte nicht ausreichen, braucht es Bilder.

Mulardenenten für Foie gras, Rillettes, Confits und Magrets, Vendee-Enten für Terrinen und zum Vergnügen – denn Vergnügen soll es, neben der Arbeit, natürlich auch geben.

Text © t.journot 2017/2018





Dauer der Ausstellung: bis 4.Dezember 2020



 
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